Fachkonferenz

Rente mit 63: „Es wird spannend bleiben.“

„Rente mit 63 – erste Erfahrungen bei der Umsetzung in der Praxis“: Das war am 27. April das Thema der Fachkonferenz, zu der die IG BCE, Leipzig und der Deutsche Rentenversicherer Knappschaft-Bahn-See Chemnitz eingeladen hatten. Rund 50 Betriebsräte und Vertreter der Personalabteilungen waren ins Ramada Hotel Leipzig gekommen, um sich über Fakten und Zahlen, Gesetz und Leistung zu informieren und darüber zu diskutieren.

Katrin Schreiter

Fachkonferenz
28.04.2015
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Nach der Begrüßung durch Jürgen Mehnert, Bezirksleiter der IG BCE Leipzig, referierte die Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe (SPD). Die Politikerin sprach von bundesweit 279.000 Anträgen, die seit Juli 2014 auf „Rente mit 63“ gestellt worden seien. „Der Anteil der Frauen liegt dabei zwischen einem Drittel und einem Viertel“, schätzt Kolbe, die der Meinung ist, dass in Ostdeutschland mehr Frauen von dem neuen Gesetz profitieren werden, da hier prozentual mehr Frauen gearbeitet hätten – und das kontinuierlicher. Zudem würden nun auch die Umschulungen in die Berechnungen einbezogen.

Knappschafts-Vertreter Thorsten Zöfeld, Leiter der Regionaldirektion Chemnitz, sprach von einem „riesengroßen Interesse“ in Sachsen und nennt Zahlen: „Die Anzahl der Altersrentenanträge sind um fast 40 Prozent gestiegen“, rechnete er vor. 2000 Anträge seien eingegangen, 15 Prozent bereits bearbeitet, davon 98 Prozent bewilligt. „Ein Erfolgsmodell – für uns als Rentenversicherung.“ Zöfeld räumte ein, dass man noch nicht genau sagen könne, ob es in den einzelnen Branchen zu einem Fachkräftemangel gekommen sei. „Nach vorsichtiger Einschätzung hat es aber noch keinen erdrutschartigen Einbruch gegeben.“

Knappschafts-Referent Oliver Herberger, Leiter des Rentenbüros 3, stellte danach detailliert die vier Teile des Rentenpakets vor: die Rente ab 63, die Mütterrente, die verbesserte Erwerbsminderungsrente und die Erhöhung des Reha-Budgets. Bei der Rente mit 63 ging Herberger unter anderem auf folgendes Problem ein: Wer zwei Jahre vor Rentenbeginn arbeitslos ist, kann diese Zeiten nicht mitrechnen – so sagt es das Gesetz. Ausnahme: Diese Arbeitslosigkeit ist durch eine Insolvenz oder Geschäftsaufgabe bedingt. „Was aber, wenn nur ein Teil des Betriebes schließt?“, fragt Herberger und spricht von einer Lücke im Gesetz.

Eckehard Linnemann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik der IG BCE Hauptverwaltung knüpfte an diesen Sachverhalt an: „Wir sammeln zurzeit Musterklagen zu diesem Thema.“ Der Gewerkschaftsvertreter aus Hannover sprach in seinem Referat aber vor allem über die Herausforderungen der Zukunft. „Es gibt immer mehr, die im Alter nicht einfach nur raus wollen, sondern länger arbeitet“, so Linnemann. Dafür müsse man die Bedingungen entsprechend gestalten. Er sprach von einer Teilrente ab 60 und von einem Demografiefonds, der dieses Modell ausgleichen soll. „Wir brauchen solche Regelungen, um auch in unseren Branchen die Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.“

Viele Informationen, zahlreiche Denkanstöße, interessante Diskussionen: Knappschafts-Vertreter Zöfeld brachte es bei seinem Schlusswort noch einmal auf dem Punkt: „Es wird spannend bleiben.“

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