Betriebsräte Energiekonferenz

„Energieversorgung muss planbar sein!"

Auf Initiative der IG BCE diskutierten am 27. Februar Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und betrieblicher Mitbestimmung zum Thema Energieversorgung der Zukunft. Schwerpunkte waren dabei der Mix in der Energieversorgung, der strukturelle Wandel in der Region und die Sicherung der Arbeitsplätze vor Ort.

Katrin Breest

Betriebsrätefachkonferenz
08.03.2018
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Bezirksleiter Jürgen Mehnert eröffnete die Betriebsrätekonferenz „Energie, Industrie, Klima – Unsere Zukunftsstrategie" vor zahlreichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern energieintensiver Industrien aus Leipzig und Umgebung. Dabei hob er deren Stellung als Garanten der wirtschaftlichen Entwicklung und als verlässliche Arbeitgeber hervor, die den Wohlstand in unserem Land sichern.

Diese Betriebsrätekonferenz ist ein neu ins Leben gerufenes Format des Bezirkes, sodass entscheidende Akteure zusammenkommen, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben diskutieren und die kommenden Herausforderungen angehen können.

Energiewende und Strukturwandel

Um eine gemeinsame und wissenschaftliche Basis zu erhalten, hielt Prof. Dr. Berkner, Leiter der regionalen Planungsstelle Westsachsen, einen ausführlichen Vortrag über die bergbauliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Außerdem erklärte er, vor welche Aufgaben eine Region gestellt ist, die einen Strukturwandel vollzieht. „Gerade für Leipzig und Ostdeutschland ist dies nicht die erste Energiewende die mitgestaltet wird und die Region verändert. Der Erfolg des Strukturwandels ist vor allem an der Leipziger Neuseenlandschaft zu erkennen."

Für Dr. Ralf Bartels, IG BCE-Abteilungsleiter Energiewende und Nachhaltigkeit, steht fest, dass eine stabile Energieversorgung während der Energiewende nur mit einem Mix aus Kohle, Gas und Erneuerbaren gewährleistet sein kann. „Die IG BCE steht zum Pariser Klimaschutzabkommen, aber es darf keine Deindustrialisierung stattfinden. Deswegen fordert die IG BCE die Forschung für Speicher wie Power-to-Gas und Power-to-X voranzutreiben.“

Auf dem Podium diskutierten Vertreter der Wirtschaft, Politik und der betrieblichen Mitbestimmung und gingen auf Fragen aus dem Plenum ein. Für Dr. Norbert Menke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH, stellen gerade die Elektromobilität und die effiziente Verstromung von Gas eine große Chance bei der Erreichung der Klimaziele dar. „Dabei ist eine dezentrale Energieversorgung ebenfalls enorm wichtig.“

Ganzheitliche Betrachtung gefordert

Für Jörg Vieweg, Sprecher für Mittelstandspolitik und Handwerk sowie für Energiepolitik, Tourismus und Sport der SPD – Landtagsfraktion Sachsen, ist die gesicherte Energieversorgung und klare Aussagen mit denen die Industrie planen kann von großer Relevanz. „Doch man darf nicht allein die Energiewirtschaft im Fokus haben. Die energetische Gebäudesanierung, die Landwirtschaft und der Verkehr müssen ebenfalls mit einbezogen werden,“ sagte Vieweg. Er war sich dabei mit Lars Rohwer, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr der CDU – Landtagsfraktion Sachsen einig. „Nur eine ganzheitliche Betrachtung kann am Ende zum Erreichen der gesetzten Ziele führen.“

Heftiger wurde die Diskussion als es um konkrete Zahlen für das Auslaufen der Braunkohleverstromung ging. So votierten die SPD und CDU für ein klares und planbares Auslaufen der bestehenden Tagebaue des Mitteldeutschen und des Lausitzer Reviers zwischen 2040 und 2050. Dagegen sprach sich Marco Böhme, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr für DIE LINKE, aus und bekräftigte den von seiner Partei geforderten Ausstieg bis 2035.

Planungssicherheit in Gefahr

Für Andreas Zielke, Betriebsratsvorsitzender der Dow am Standort Böhlen, spiegelte gerade dieser Aspekt der Diskussion ein grundlegendes Problem für Großinvestitionen in Deutschland wieder. Seiner Erfahrung nach ist wegen ständig wechselnder Aussagen nach die Planungssicherheit für Unternehmen nicht mehr gegeben. Zugleich „wünsche ich mir, dass meine Kollegen und ich nicht immer das Gefühl haben müssen uns für unseren Job in der Industrie entschuldigen zu müssen. Schließlich ist die Industrie das Rückgrat unseres Wohlstandes,“ so Zielke.

Zum Abschluss der intensiv geführten Veranstaltung wünschte sich Oliver Heinrich, IG BCE Landesbezirksleiter Nordost, dass diese Konferenz als Reihe weitergeführt wird, um miteinander die Energiewende zu gestalten und sicher in die Zukunft blicken zu können.

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